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Levins Weg

Prasselndes Feuer züngelt den Kamin herauf. In dem rauchig verqualmten Schankraum sitzen allerlei Gestalten. Zwielichtiges Gesindel, einfache Bevölkerung, Soldaten. Mägde tragen dampfende Teller mit Suppe und Fleisch zu den Gästen, ein Barde singt, es riecht nach Bier und Schnaps. Inmitten dieser Betriebsamkeit sitzt ein alter Mann, umringt von staunenden Gesichtern. Ein Geschichtenerzähler, umwoben von einem Hauch Abenteuer, mit verschmitzten Falten um Augen und Mund, gekleidet in wetterfeste Stoffe, bewaffnet mit einer langstieligen Pfeife und einem halbvollen Humpen Bier. Seine Stimme klingt warm, seine Gesten verwandeln Worte in Bilder. Klatschende Hände begleiten das Ende seiner Geschichte und lächelnd nickt er seinem Publikum zu.

"Bitte sehr, alter Freund", grinsend stellt ihm der Wirt einen Teller mit fettigen Hähnchenkeulen auf den Tisch und der Geschichtenerzähler enthüllt dankbar von Tabak vergilbte Zähne.

"Ah, danke", brummt Gisbert, der Erzähler und verweist entschuldigend auf sein Essen, als die Umsitzenden erneut auf eine Geschichte drängen.

Es vergeht eine Weile, in der sich Gisbert schmatzend an seinem Mahl gütlich tut. Doch das Drängen wird so pochend, so laut, dass Gisbert gespielt tragisch seufzend den noch nicht zur Gänze geleerten Teller wegschiebt, die Hähnchenreste in seinen Zähnen mit Bier davon spült und sich wieder den Gästen zuwendet.

"Es ist nur eine Legende. Nur eine Legende, so sagt man jedenfalls", eröffnet er, den Blick wehmütig in das Feuer des Kamins gerichtet. Die tropfenden Kerzen beginnen irr zu flackern.

"Es war, als die Wölfe noch jung waren", fährt Gisbert fort und seine Stimme scheint dem Zuhörer aus weiter Ferne zu erklingen.

"In den Wäldern von Karash hatten sich die letzten vom Blute der Emer gesammelt, geführt von Levin, fliehend vor den Skinor, gehetzt von den schwarzen Schlangen. Und in jener einen, finsteren Nacht musste Levin entscheiden, wohin er seine Männer führen sollte. So sass er mit den Stammesobersten in seinem Zelt, dunkle Schatten wälzten sich durch die Düsternis von Karash.

"Lasst uns ebenfalls den Schwur sprechen, so wird unser Blut die Jahrhunderte überdauern", sprach Guilach.

Plötzlich erlischt das Licht in der Taverne, das Winseln eines Hundes erklingt und Totenstille durchdringt den Raum.

"Wir sollen den Eid sprechen?" wagte Eribhen zuerst auszuatmen.

"Was würde sie hindern, uns einfach Leben und Seele zu berauben?" klagte er zweifelnd.

"Lasst sie kommen", erwiderte Levin tonlos und liess sich in seinen fellgepolsterten Sitz sinken.

"Lasst sie kommen. Wir werden ihnen das Schwert geben und unser Blut wird leben", flüsterte er und wandte sich ab. Wortlos verliessen da seine Berater das Zelt und schlichen fort, ohne den Blick eines Menschen ertragen zu können.

Und so geschah es. Levin übergab den Nigranti Angui das heilige Schwert der Wölfe, das sein Stamm vor Ewigkeiten aus den Ruinen von Gorian geborgen hatte, das legendäre Schwert des Amergin. Die Nigranti Angui machten ihr dunkles Versprechen war - sie liessen die Emer ewig leben. Nicht einmal die Götter vermochten den Fluch aufzuheben, den sie, die Schlangen, in ihrer Hinterlist sprachen. Nur einmal, einmal zu Zeiten des alten Zirkels sollten die Emer der Sterblichkeit unterworfen sein, nur einmal sollte ihr Lager in den Wäldern von Karash erscheinen."

Gisbert schliesst seine Erzählung und blickt seine stummen Zuhörer aufmerksam an.

"Doch dies ist nur eine Legende."