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Die Ratten von Wolfsmark

Schatten. Da waren nur Schatten.

Im dunklen Zwielicht ihrer Zelle sah sie nur die Ratten, die begierig darauf lauerten, etwas von ihrer Nahrung, oder sie selbst, zu verschlingen. Sie kauerte sich zusammen, auf der Holzpritsche, dem einzigen Möbelstück dieses Ortes. Wie lange war sie schon hier? Monate? Jahre?

Zu erst hatte sie sich gewehrt, hatte protestierend gegen die schwere Holztür geschlagen, bis ihre Handballen blutig geworden waren, hatte durch die kleine Luke gespäht, in der Hoffnung ein vertrautes Gesicht dahinter zu sehen... Doch irgendwann - sie konnte nicht einmal genau sagen wann - hatte sie all das hingenommen. Hatte gleichmütig ihr kaltes Heim mit Ratten und Würmern geteilt.

In den zerrissenen Falten ihres Kleides suchte sie nach dem Kanten Brot, und legte ihn dann schliesslich auf den äussersten Rand ihrer Pritsche. Rasend schnell wuselten die Ratten heran und stürzten sich streitend auf den Brocken. Nayla langte mit einer raschen Handbewegung in diesen Wust aus Schwänzen und dreckigen, schwarzen Leibern, bis sie eines der strampelnden Viecher in der Hand hielt. Kreischend wehrte sich die Ratte und Nayla schlug sie, immer noch am Schwanz haltend, mehrfach auf ihr hartes Bett, bis der Körper erschlaffte. Hungrig grub sie ihre Zähne in das warme, blutige Fleisch. Der Saft rann an ihren Mundwinkel herab, doch sie ekelte sich nicht. Es zählte nur, dass der stechende Schmerz in ihrem Magen endlich aufhörrte, dass das rumorende Knurren endlich verstummte.

Schritte. Sie registrierte sofort, dass es schwere Stiefel waren, mit harten Absätzen, die auf dem Felsen der Gewölbe ein helles Klappern erzeugten. Mindestens vier Leute mussten es sein, also nicht die übliche Wache, die abwesend an den Türen der Zellen patroulierte. Ein neuer Gefangener sollte wohl ihr Los teilen, in den tiefsten Gewölben von Wolfenhaupt zu vegitieren. Die Schritte verstummten.

"Herrin", raunte eine Stimme, direkt hinter der vergitterten Luke. Sie schüttelte leicht unwillig den Kopf und ass dann weiter. Nein, sie würde nicht Ziel für Spott werden.

"Herrin, so höret doch", flüsterte die Stimme wieder, eine warme Stimme, die angenehm im Ohr klang. Leicht verstörrt wandte sie ihren Blick zu der Tür. Versuchte ihrer Kehle ein Geräusch zu entlocken, doch nur ein Krächzen drang daraus hervor. Das Geklirr von Eisen an Eisen klingelte ungewohnt in ihren Ohren.

Dann öffnete sich die Tür. Wie glühendes Feuer drang das Licht einer Fackel in die Zelle und aufstöhnend wandte sie sich ab. Plötzlich war es stockdunkel um sie, nur das brennende Licht drang noch an ihre tränenden Augen. Dröhnend laut klangen die schweren Schritte durch ihre Zelle, an ihre Pritsche. Eine Hand berührte sie an der Schulter und sie holte abwehrend mit dem Arm aus, in der anderen Hand immer noch die tote Ratte haltend. "Herrin, es ist vorbei. Wir holen euch hier heraus", erklärte wieder diese Stimme und ein vages Gefühl des Erkennens durchfuhr sie.

"Gisbert", fragte sie krächzend.

"Ja Herrin, ich bin hier um euch zu befreien. Euer Volk braucht euch in diesen Tagen!"

Langsam, unendlich langsam entglitt die Ratte ihrer Hand. Plötzlich erkannte sie wieder, wer sie war. Blicklos fühlte sie nach der Hand, ergriff sie, drückte sie, so fest sie konnte.

"Lebe ich noch?"

"Ihr lebt. Und euer Volk wird mit euch leben."