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Kalt

Der Magen krampfte sich ihm zusammen, er musste würgen. Gleichzeitg schoss die Trauer in ihm hoch, mit solch einem brennenden Schmerz, den er noch nicht mal in einer Schlacht hatte spüren müssen. Er hatte immer geglaubt, immer, Traurigkeit könne man nicht körperlich spüren. Nun wusste er es besser, nun als er alles verloren hatte, was ihm teuer gewesen war. Die Augen verschliessend wandte er sich ab...

"Du siehst, es ist an der Zeit zu gehen", lächelte Chlodwig, die Schlange in Gestalt des Ehemanns seiner Schwester.

"Denn, wenn du nicht willst, dass mit Sura schlimmeres geschieht, als mit diesen Bälgern", er spuckte das Wort förmlich aus "gehst du nach lieblicher Berg zurück."

"Wie konntest du das tun?" fragte Edogard und kämpfte mit Gewalt die Tränen herunter, die in seinen Augen brannten.

"Du hast es herausgefordert - Bruder", höhnte dieser Mann süsslich und klopfte ihm auf die Schulter.

"Du hast es herausgefordert, siehst du das nicht? Du allein trägst die Schuld an ihrem Tod, vergiss das nie..."

Zorn brannte ihn ihm auf, ohnmächtiger Zorn. Und Hass! Hatte er doch geschworen, niemals Hass als Waffe zu verwenden, jedes Versprechen war ihm gleich. Alles hatte ihm Chlodwig genommen, alles! Und das nur, weil er versucht hatte, ihn zu beschwichtigen, nur weil er sich schützend vor seine Schwester gestellt hatte, die von Jahr zu Jahr in sich gekehrter wurde, deren Narben im Gesicht eine alzu beseelte Geschichte sprachen. Doch nochmals durfte er diesen Fehler nicht begehen, Chlodwig in seiner Grausamkeit, in seiner Konsequenz, zu unterschätzen.

Fest biss er die Zähne zusammen, atmete tief ein und drehte den Blick nach oben, um die Tränen erneut zu verdrängen.

"Gut", sagte er dann leise, die Wut sorgsam kontrollierend, aufsparend für den rechten Augenblick.

"Gut, ich werde gehen. Ich werde deinen Weg nicht nochmals kreuzen", sagte er ruhig, mit aller Anstrengung, der er fähig war.

"Doch versprich, dass meiner Schwester kein Leid geschieht."

"DIR verspreche ich nichts, Sohn einer Hündin! DU kannst nur auf mein Wohlwollen hoffen", knurrte Chlodwig und verliess den Raum, mit den blutbesudelten Stiefeln, Spritzer auf dem hochpolierten Holzboden hinterlassend.

"Wisch das weg", bellte er seine Frau an, die er an einem Türrahmen kauernd vorfand, die Augen gerötet, tiefschwarz gerändert.

Sie fühlte nichts mehr. Kalt hatte sie sich von jeder Emotion abgewandt, in diesen letzten Tagen ihres Lebens. Sie war alt geworden, kraftlos. Nichts erinnerte mehr an das übermütige Mädchen, das sie früher gewesen war, wie sie völlig gedankenlos jeden Tag genossen hatte. Nur ein Gedanke wiederholte sich immer und immer wieder in ihrem Kopf... Langsam öffnete sei die kleine Flasche, ohne sie zu sehen. Langsam schluckte sie den Inhalt, ohne ihn zu schmecken. Langsam fiel sie in einen Schlaf ohne Erwachen...