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Cuisse de grenouille

Es war kalt, zugig, wie immer und überall auf der Feste Wolfenhaupt. Am Himmel brauste ein Unwetter wie bestellt. Zweifelnd blickte Metophisteles hinauf zu dem alten Turm, in dem Magus Desgracia Encanto zwischenzeitlich sein Quartier genohmen hatte. Kein Grud für den Egozentriker, seine Gemächer in den tieferen Gewölben der Feste aufzugeben.

Ein Blitz zeichnete das grellweisses Zerrbild eines Schattens auf die schwermassive Eichenholztür.

"Hier seid ihr also."

Metophisteles wandte sich erschreckt um und verbeugte sich dann angedeutet.

"Verehrter Feldherr", begrüsste er Ashen Zäpesch, der ihn gemein angrinste, in der Hand eine Kette, an deren Ende zwei jämmerliche Gestalten winselten. Metophisteles bedauerte sich selbst allerdings mehr. Eine üble Wendung hatte es für ihn genohmen. Denn Zorn war in ihm aufgewallt, als der Magus sich derart erdreistet hatte. Made hatte er ihn zuletzt genannt, schlimmer jedoch war es Metophisteles vorgekommen, dass Desgracia sich schlichtweg über das Gesetz stellte.

"Nach euch, Metophisteles, nach euch."

Leicht schluckte der Schreiber und drückte dann die rostige Klinke runter. Quietschend sprang die Tür auf und offenbarte das karge Innere des Turms. Flackernde Kerzen in schweren Silberleuchtern, eine schmalle Wendeltreppe aus Stein, ein Anrichtetisch, auf ihm ein unangerührtes Abendessen, sonst ein Regal, darauf einige Schüsseln und Flaschen, allesamt leer. Eine Mischung von Schwefel und süsslichem Amoniak wehte von oben herab.

"Nach euch Metophisteles", sagte der Schlächter von Wolfsmark wieder und schlug dann -immer noch grinsend- einem der Gefangenen hart ins Gesicht. Das Gewinsel verstummte.

Ergeben erstieg Metophisteles die Treppe, die nach der dritten Wendung beängstigend dunkel wurde. Schon verfehlte sein Tritt eine Stufe und geriet ins Stolpern. Hastig klammerte er sich an das Geländer, um nicht zu stürzen.

"Unsicher?" Der Schlächter von Wolfsmark schien kein Licht zu brauchen, gnadenlos zog er die Beiden Gefangen hinter sich her, die keuchend versuchten, Schritt zu halten.

"Nein, nein. Alles in Ordnung", antwortete Metophisteles atemlos. Stufe um Stufe führte der Weg weiter nach oben, endlos schienen die Windungen der Treppe zu sein. In der Finsternis ihres Aufstieges schien die Zeit still zu stehen, das einzige Geräusch der schwere Schritt des Schlächters, das ängstliche Schnaufen der Gefangenen und sein eigenes Herz, das so hart gegen seine Brust pochte, dass er fürchtete es werde zerspringen.

Licht. Dort, hinter der nächsten Wendung, dort war Licht. Er beschleunigte seinen Schritt, ignorierte das belustige Schnauben des Schlächters, ignorierte sein rasend Herz und trat dann endlich ins Licht.

"Da seid ihr ja endlich! Ich habe schon gewartet", blaffte ihn Encanto an, der vor einer Bücherwand stand, ihnen den Rücken zugewandt. Er nahm einen schweren Folianten heraus und legte ihn vorsichtig auf einen grossen, runden Tisch. In einer Ecke ein Feuer, überall schwere Silberleuchter. Verteilt auf Boden, Regalen, Tischen, Stühlen waren Bücher über Bücher, es roch staubig, nach Alter und Schwefel, nach Amoniak und Katze. Auf der ihnen gegenübliegenden Seite wieder eine Treppe, die wohl ins Schlafgemach führen mochte, sonst viele Tiegel und Töpfe, Flaschen und Bechergläser, brodelnde Kessel und dergleichen.

"Setzt euch", raunzte der Schlächter. Eingeschüchtert sah sich Metophisteles nach einem freien Stuhl um.

"Etwas zu trinken?"

-"Danke nein, werter Magus."

-"Oh, ich bestehe darauf", erwiderte Encanto, ging zu einem Tisch und tauchte eine Schöpfkelle tief in einen brodelnden Kessel. Drei Kelche füllte er mit dem zischenden Inhalt - unbemerkt allerdings fügte er in einen der Kelche eine pulvrige Substanz.

"Nur für dich, Schreibermade", raunte er selbstzufrieden und kicherte rauh.

"Magus?"

-"Nichts, Nichts."

Desgracia reichte Metophisteles, dann dem Schlächter einen Kelch, der ihn dankend entgegen nahm, einen Folianten von einem Sessel warf und es sich darauf gemütlich machte.

"Seid doch vorsichtig, Ashen, viele dieser Bücher kommen direkt aus den tiefsten Gewölben", schimpfte der Magus mit seiner heiseren Fistelstimme.

"Nun, Desgracia, die aktuelle Handlungsweise der Baronin erfüllt mich mit einer gewissen - Unzufriedenheit. Ich werde nicht dulden, dass dieses Hetzerpack mich in meinen Plänen stört. Schlimm genug, dass Moruge ihnen gehorcht wie ein Köter seinem Herrn. Schlimm genug, dass meine Truppen nur herum hängen. Wer weiss, wie lange ich sie noch damit unterhalten kann, Dorfbewohner zu... reglementieren." Ashen nahm einen tiefen Schluck und der verkrampfte Metophisteles tat es ihm gleich, entsetzt, Zeuge dieser Unterhaltung werden zu müssen. Dies grenzte an Verrat!

"Jaja. Schlimmer ist, was bei der Hochzeit von Triandaphilo geschah. Sie haben mich tätlich angegriffen! Mich! Diese Schwachköpfe! Wissen die denn nicht wer ICH bin?" Auch Desgracia nahm einen tiefen Schluck aus dem Kelch, leerte ihn gar in einem Zuge.

"Köstlich, was ihr da zusammengebraut habt", meinte Ashen.

"Jaja. Lasst uns lieber etwas Bogen schiessen. Geht in Deckung Metophisteles, ihr werde anderweitig gebraucht", antwortete Encanto und grinste mit wild zuckendem Auge. Während Metophisteles noch überlegte, was Encanto wohl gemeint haben könnte, stand Ashen auf und schleifte die zwei Gefangenen zu einer Wand. Mit aufkommenden Grauen sah Metophisteles das die Wand über und über besudelt war mit braunrötlichen Flecken. Ein Eisenring hing dort und an diesen kettete nun Ashen die Gefangen, die inzwischen erbarmungswürdig brüllten.

"Ich habe doch nichts getan", heulte der eine, ein junger Mann von vielleicht zwanzig Jahren.

"Du hast Brot gestohlen, das für meine Tafel bestimmt war", brummte Ashen.

"Bitte! Bitte Herr, habt Gnade mit uns! Wir hungerten so schrecklich."

-"MAUL HALTEN!"

In diesem Moment fühlte Metophisteles, wie etwas mit ihm geschah. Sein Blick verschwomm immer mehr und in seinen Knochen war ein Kribeln, als seien seine Glieder eingeschlafen. Plötzlich dellte sich seine Haut, zog sich zusammen, bildete Blasen und reptilartige Schuppen.

"Was! Was.... was geschieht mit mir?" Encanto lachte, ein böses, krankes und selbstzufriedenes Lachen.

"Ihr habt den ersten Schuss, Ashen", lachte er und Ashen schoss auf den heulenden Jungen.

"Halt doch still, sonst treff ich nicht", schrie er, dann hörte Metophisteles, wie sich ein Pfeil von der Sehne löste und darauf das ekelhafte Geräusch von Metal, dass sich in Fleisch grub. Das war das letzte was er vernahm.

"Sagt, Desgracia, habt nicht auch Lust auf Froschschenkel?"